Archiv für den Monat: September 2011

Great Scottish Swim

Die letzten 2 Wochen, seitdem ich auf Hawaii war, gingen recht schnell rum. Ich hatte anfangs einige Probleme mit der ganzen Zeitumstellung. Bis nach Hawaii waren es ja 12 Stunden. Da ich nur 6 Tage dort war und danach gleich wieder heim geflogen bin, war mein Körper ziemlich verwirrt. Das hat sich jedoch nach einigen wachen Nächten gelegt.

Ins Training bin ich dann auch nur langsam eingestiegen. Ich habe in der ersten Woche nur 40 km gemacht und in der Nächsten auch nur 41 km, da am letzten Wochenende wieder ein Wettkampf anstand.

Es ging am Freitag nach Schottland. Genauer gesagt in die Nähe von Glasgow nach Strathclyde. Dort fand der letzte Teil der „British Gas Great Swim“ Serie statt. Der Kurs sollte eigentlich über 2 km einmal durch den See im Strathclyde Park führen. Da aber der Sommer der Kälteste seit ca. 20 Jahren war und die Wassertemperatur nur 12,8°C betrug wurde die Strecke auf einen 1 Meile kurzen Rundkurs verkürzt.

Ich bin am Freitag Abend dann das erste Mal in den See gesprungen, um zu sehen, wie sich 12°C so anfühlen, da ich keinen Schock am Samstag beim Wettkampf erleben wollte. Zum Glück konnten wir einen Neoprenanzug tragen, sonst wäre das Ganze doch recht unangenehm geworden. Nichtsdestotrotz war der Sprung in den See sehr hart. Mein Gesicht hat sich nach 5 Sekunden angefühlt, als ob mir mit einem Nagelbrett andauernd ins Gesicht geschlagen würde. In der ersten Panikreaktion dachte ich dann, dass ich es beim Wettkampf nicht einmal bis zur ersten Boje schaffen würden (die nur 200 Meter entfernt war). Meine Nasennebenhöhlen fühlten sich an wie enge Schlitze, die jemand mit spitzen Nadeln von innen heraus masakrieren würde. Um mich herum gab es auch nur ungläublige Gesichter, die wohl das Gleiche wie ich dachten. Nach ca. 5 Minuten war dann endlich alles taub und ich konnte dann doch recht normal schwimmen. Trotzdem verkürzte ich den Aufenthalt im Wasser auf knappe 10 Minuten. Danach war das Reden fast unmöglich und ich gab nur unverständliche Laute von mir, da meine Lippen eingefroren waren.

Am Wettkampftag bin ich dann ca. 15 Minuten vor dem Start in das sogenannte „Aufwärmbecken“ gegangen, was in Wirklichkeit ein „Abkühlbecken“ war. Ich hielt mich darin solange auf, dass alles an mir, was aus dem Neo schaute, taub war, damit der Schock beim Start so gering wie möglich bleiben würde.

Das Rennen war relativ gut besetzt und bestand unter anderem aus dem Europameister von 2010 über 1500 Meter Sebastien Rouault aus Frankreich und weiteren Olympiateilnehmern von 2008 und 2012.

Gestartet wurde dann per Kopfsprung und ich befand mich gleich in einer unangenehmen Situation. Der Schwimmer rechts von mir wollte natürlich durch mich hindurch nach links. Diese Absicht machte er mir mit ein paar kleineren Schlägen gegen den Kopf klar. Jedoch der Schwimmer auf der linken Seite war fast doppelt so breit wie ich und bewegte sich keinen Millimeter in die andere Richtung. Also bin ich fast stehen geblieben und hinter den beiden nach links durch das gesamte Feld geschwommen, da sich die erste Wendeboje deutlich links vom Start aus befand. Als ich endlich meine Ruhe im Feld hatte, sah ich einen Briten, der ca. 15 Meter vor dem Pack schwamm. Ich wusste, dass die Anderen schon wieder aufschließen würden und so stresste ich mich am Anfang nicht wirklich damit die Lücke zu schließen. Der Rennen an sich war nicht übermäßig schnell, jedoch recht grob. An der 800 Meter Wendeboje dachte ein Ire neben mir, dass mein Gesicht doch eine recht gute Abdruckfläche bieten würde, an der er sich nach vorne ziehen konnte und so drückte er mich am Kopf nach hinten. Natürlich verfing ich mich auch noch mit meinem linken Arm in der Leine der Boje und verlor gut 5 Plätze. Danach hatte ich jedoch recht viel Platz und konnte neben dem Feld in aller Ruhe weiterschwimmen. Im Ziel war ich dann letztendlich Dritter. Ich bin mit der Platzierung recht zufrieden, da eine Meile nicht unbedingt meine Streckelänge ist und die beiden Schwimmer vor mir wirklich fix waren.

Hier noch der Link zur Event-Seite: Great Scottish Swim 2011

Jetzt geht es wieder zurück ans Training für die wirklich langen Kanten Ende Januar und Anfang Februar in Argentinien. Dazwischen werde ich jediglich einen kurzen Abstecher nach Rio de Janeiro (BRA) machen. Dort findet der alljährliche „Rei do Mar“ statt. Diesmal geht es wohl über 5 Runden á 850 Meter mit den dort gewohnten Laufeinlagen nach jeder Runde.

 

 

Wettkämpfe auf Hawaii

Aloha,

 

so meine Reise nach Hawaii ist nun bald zu Ende. Ich bin gerade am Flughafen von Chicago und habe eine Weile Zeit bis mein Anschlussflug nach Frankfurt abfliegt.

Die paar Tage in Hawaii gingen sehr schnell vorbei. Der erste Wettkampf fand auf Maui statt, besser gesagt sind wir von Lanai nach Maui geschwommen. Die Strecke betrug in etwa 16 km.

Der Tag ging ziemlich früh los, da der Start bereits 8 Uhr war und wir vorher noch über den „Maui Channel“ mit unserem Begeiltboot zum Start fahren mussten. Wir sind mit einem kleineren Fischkutter unterwegs gewesen. Die Tage vor dem Wettkampf war der Pazifik eigentlich sehr ruhig, aber natürlich war es am Wettkampftag genau anders. Die Wellen waren teilweise sehr hoch und unser Boot hatte mächtig mit den Wellen zu kämpfen. (siehe Video weiter unten).

Der Wettkampf an sich war eine 6-Mann-Staffel. Mein Team war eigentlich ein rein australisches Team, aber auf Grund einer Absage konnte ich doch daran teilnehmen. Gewechselt wurde alle 30 Minuten, bis jeder einmal geschwommen war, und danach ging es im 10 Minuten Takt weiter. Die Strecke ist eigentlich in unter 3 Stunden zu meistern, aber bei dem Wellengang war mir vorher klar, dass die Sache an diesem Tag etwas länger dauern würde.

Der Start war dann auch ein heilloses Durcheinander, da es insgesamt 79 Teams und 20 Solo-Schwimmer gab. Jedes Team hatte natürlich sein eigenes Boot dabei, teilweise waren das auch ziemlich große Katamarane und eigentlich nicht als Begleitboot geeignet sind. Wenn so ein 15-Meter-Schiffchen nebenher fährt kann einem schon etwas mulmig werden.

Nun gut, so kam es wie es kommen musste und kurz vor dem Start lief ein Boot auf ein Riff und sank promt. Zum Glück ist niemandem auf dem Boot etwas passiert. Aber da war allen klar, dass man bei diesem Wellengang sehr vorsichtig sein musste. Leider war das der kleinere Unfall an diesem Tag, es sollte noch viel schlimmer kommen…

Unser Team ist vom Start sehr gut weggekommen und wir haben eine komplett andere Linie als der Rest des Feldes genommen. Im Verlauf des Rennen kam es dann zu einem Zweikampf zwischen uns und einer amerikanischen Auswahl, die eigentlich aus internationalen Stars bestand, wie z.B. dem Staffel-Olympiasieger von 2008 Peter Vanderkaay (USA), dem australischen 1500 Meter Mann Ryan Napoleon und dem 10 km Weltmeister von 2005 Chip Peterson (USA).

Nach einem wirklich spannenden Rennen konnte mein Team, was durch das australische „Black Dog Institute“ gesponsort wurde nach 3:32:49 Stunden mit knapp 3 Minuten Vorsprung gewinnen. Das „Black Dog Institute“ beschäftigt sich mit Persönlichkeitsstörungen und Depression. Siehe auch: http://www.blackdoginstitute.org.au/

Leider gab es da noch einen sehr tragischen Unfall am Ende des Wettkampfes. Die letzten 400 Meter gab es eine „No-Go-Zone“ für alle Begleitboote. Diese mussten vorher abdrehen und den letzten Schwimmer allein an Land schwimmen lassen. Leider gab es kurz vor dem Ziel auch ein Boot, was nicht zum Wettkampf gehörte. Dieses Boot steuerte in dieser „No-Go-Zone“ rum, wurde rasch angefunkt, aber wie sich später herausstellte, war der Kapitän gerade auf der Toilette und bekam die ersten Funksprüche nicht mit. So steuerte das Boot langsam aber sich auf einen Soloschwimmer zu. Als der Kapitän die Funksprüche endlich hörte, schaltete er sehr hastig den Motor an und wollte wenden, nur leider wurde der Soloschwimmer in diesem Moment unter das Boot und in die Propeller gezogen. Er verletzte sich dabei sehr schwer. Ein bereitstehender Notarztwagen brachte ihn sofort ins Krankenhaus, jedoch verlor der Mann seinen rechten Arm und 2 Finger des linken Armes. So ein Vorfall macht mich natürlich sehr nachdenklich, da so etwas jedem passieren kann und es nicht selbstverständlich ist, dass man immer heil auf der anderen Seite ankommt. Ich bin mit meinen Gedanken bei ihm und hoffe, dass er sich von diesem Schicksalsschlag erholen wird!

 

Das zweite Rennen fand 2 Tage später am wunderschönen Waikiki Beach statt und ging über knapp 3,8 km vom „Sans Souci Beach“ zum „Waikiki Beach“ vor dem Hilton Hotel. Es waren knapp 950 Schwimmer am Start, weshalb das Rennen in 4 Startwellen ausgetragen wurde. Der Start war mal wieder vom Strand aus, wie auch das Ziel. Das Rennen begann eigentlich ziemlich langsam für einen so kurzen Wettkampf und so kam es, dass ich an der ersten Boje (nach ca. 600 Meter) als Erster gewendet habe. Dann ging es eine ca. 2,4 km lange Gerade entlang bis zur 2. und letzten Wendeboje. Das Feld war ziemlich schnell auf 5 Mann reduziert (4 Australier und mich). Da ich mir leider den Kurs vor dem Rennen nicht angeschaut habe, hatte ich keine Peilung wo nach der 2. Wendeboje das Ziel war. So bin ich einfach einem Australier hinterher geeiert. Ich dachte, dass ich komfortabel an 2. Position lag, da ich sonst niemanden gesehen habe und sicher vor dem Dritten lag. Als ich dann zum Ziel am Strand laufen wollte, kamen 2 weitere Australier von rechts den Strand lang gesprintet. Wie sich im nachhinein rausstellte sind die Beiden 100 Meter weiter rechts am Strand angekommen und einfach zum Ziel geflitzt. Nun gut, das hab ich total verpeilt und so bin ich nach 43:51 Minuten mit 10 Sekunden Rückstand auf den Sieger 4. geworden. Etwas unglücklich, aber letztendlich war es meine Schuld, da ich mich nicht völlig verausgabt habe und nur dem Sieger hinterher geschwommen bin.

 

In knapp 3 Wochen geht es dann zum nächsten Wettkampf. Dieser findet diesmal in Schottland statt und geht allerdings nur über 1 Meile. Also eine noch kürzere Angegelegenheit. Ich bin gespannt wie es dort wird.

Bis dahin viel Spass beim Training!

 

Euer

 

Studzi